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Duales Studium Erfahrungsbericht

Fabian Kaiser: „Vor einem Jahr saßen wir noch auf den Schulbänken unserer Gymnasien und wussten nicht, dass wir uns jemals kennenlernen würden. Wir kommen aus verschiedenen Teilen Deutschlands. Ich heiße Fabian Kaiser und komme ursprünglich aus Mörschied. Unser Dorf zählt gerade mal 900 Einwohner und liegt inmitten einer idyllisch geprägten Region im Hunsrück, in der Nähe von Idar-Oberstein. Dort gibt es viele kleine Edelsteinschleifereien.“

Christof Gliem : „Das Stadtleben bin ich auch nicht gewöhnt. Mein Name ist Christof Gliem und ich komme aus Müschede. Das liegt in der Nähe von Arnsberg im Sauerland. Wir sind besonders bekannt für unsere großen Schützenfeste und Maiwanderungen. Was uns nun verbindet?
Nun, wir sind beide sehr technisch und wirtschaftlich interessiert und wollten schon von klein auf etwas Großes in unseren Leben erreichen. Wir sind jetzt 19 bzw. 20 Jahre alt und machen ein duales Studium zum Wirtschaftsinformatiker an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mannheim.“

Fabian Kaiser: „Ich habe auf einer Ausbildungsmesse in Mainz von dieser Studienform gehört. Eine Ausbildung kam für mich nicht in Frage und ein reines Studium war aus finanziellen Gründen auch nicht so recht möglich. Daher war ich sehr erstaunt, als mir der zuvorkommende, mit Krawatte und Anzug gekleidete Student am Stand der Messe erzählte, dass man mit einem dualen Studiengang zweigleisig fahren kann. Ausbildung und Studium in Einem und das in drei Jahren. Klingt verlockend, kommt dann aber noch besser. Wir bekommen eine monatliche Ausbildungsvergütung, den international anerkannten Bachelor of Science und werden mit großer Wahrscheinlichkeit von unserem Ausbildungsunternehmen übernommen. Doch wie kam es denn eigentlich dazu?“

Christof Gliem: „Nun, für das duale Studium in Wirtschaftsinformatik sollte man Begeisterung sowohl in Bereichen der Informatik als auch der Wirtschaft mitbringen. Ein gutes Abitur ist Voraussetzung für ein solches Studium. Um die Klausuren erfolgreich bestehen zu können, müssen wir eine hohe Lernbereitschaft mitbringen. Der Leistungsanspruch steigt im Gegensatz zum Gymnasium enorm. Das Lernen bereitet aber auch mehr Freude, da die behandelten Themen einen großen Praxisbezug besitzen.
Bei dieser Studienform mussten wir uns nicht wie gewöhnlich an der Hochschule, sondern direkt bei einem betreuenden Unternehmen bewerben. Eine Liste dieser Unternehmen befindet sich auf der Internetseite der DHBW. Sind die Bewerbungen abgeschickt, beginnt das Warten. Die Antwortdauer variiert zwischen den Unternehmen sehr stark. Freude kommt auf, wenn man eine Zusage zu einem Bewerbungsgespräch bekommt. Allerdings ist das nur die halbe Miete.
Der weitere Bewerbungsprozess ist abhängig von den Unternehmen. IBM oder Lufthansa laden alle Bewerber zu einem „Assessment Day“ ein. Dort gibt es dann verschiedene Aufgaben zu lösen. Diese reichen von Computeraufgaben bis hin zu Gruppenarbeiten, in denen man seine Sozialkompetenz unter Beweis stellen muss. Bei Claranet bestand das erste Treffen aus einem Kennenlernen. Nachdem wir diese Runde überstanden hatten, wurden wir zu einem zweiten Treffen eingeladen, in dem man auch bei Claranet eine Art Eignungstest bestehen musste – was wir aber nicht vorher wussten und uns darauf nicht direkt vorbereiten konnten. Nachdem wir diese Aufgabe auch erfolgreich gemeistert hatten, ging alles ganz schnell. Die Zusage folgte einen Monat später. Der Arbeitsvertrag wurde geschickt und von uns unterschrieben zurückgesendet. Jetzt fiel der Druck der Suche nach einem dualen Studium von uns ab. Nach dem Bewerbungsprozess mit je 10-20 Bewerbungen und vielen Bewerbungsgesprächen war es endlich geschafft. Nun folgte die nächste Herausforderung – der Umzug. Dabei gilt es viele Dinge zu beachten: Man muss sich beispielsweise in der neuen Stadt anmelden, braucht für seine Wohnung eventuell eine Hausratversicherung. Ein weiteres Thema ist die Altersvorsorge, mit der man sich nun auseinandersetzen sollte. Durch die Ausbildungsvergütung muss man sich weiterhin mit den Krankenkassen beschäftigen.Bevor der Umzug beginnen kann, steht vorerst einmal die Wohnungssuche an. Auch hier mussten wir uns entscheiden, ob wir in eine Wohngemeinschaft (WG), Studentenwohnheim oder in eine eigene Wohnung ziehen möchten. Aufgrund des Platzmangels im Studentenwohnheim kam diese Wohnmöglichkeit für uns beide nicht in Frage. Nachdem wir uns für die eigene Wohnung entschieden hatten, konnte es auch schon losgehen.
Ein Transporter gemietet und gepackt, folgte dann im Herbst 2009 der Umzug, um rechtzeitig zu Beginn des Studiums vor Ort zu sein. Nachdem wir uns in unseren neuen Wohnungen eingerichtet hatten, tauchten jedoch immer noch einige Kleinigkeiten auf, die man für ein eigenes Leben benötigt. Dann begann endlich das Studium.“

Fabian Kaiser: „Jetzt fragen sich sicherlich einige: Wieso gerade Wirtschaftsinformatik? Ganz einfach: Als Wirtschaftsinformatiker arbeiten wir, nach unserem Studium, in komplexen Projekten an der Schnittstelle zwischen Betriebswirtschaft und Informatik. Im Bereich Informations- und Kommunikationsmanagement sind wir die Spezialisten, wenn es darum geht, betriebliche Informationssysteme zu entwickeln. Wir erschließen neue Märkte, entwickeln IT-Strategien oder planen innovative Internetlösungen. Das macht sich auch sehr in unserem Studium bemerkbar. Das Studienfach Wirtschaftsinformatik beinhaltet unter anderem VWL, Branchen-BWL, Allgemeine BWL, Mathematik/Statistik/Operations Research, Systementwicklung, Informationstechnologie, Methoden und Übungen/Planspiele/Projekte. Das duale Studium dauert in der Regel drei Jahre (sechs Semester). Dabei wechseln sich Praxisphase (im Unternehmen) und Theoriephase (an der Dualen Hochschule) alle drei Monate ab. An der Dualen Hochschule haben wir Blockunterricht zu verschiedenen Zeiten in der Woche. In der Regel sind es 30 Wochenstunden. Unser Kurs besteht aus 35 Studentinnen und Studenten, die von unterschiedlichen Unternehmen betreut werden. Während der Vorlesung dürfen wir unsere Notebooks benutzen, die von unserem Unternehmen bereitgestellt werden. Zudem können wir uns aktiv im Vorlesungsgeschehen einbringen, anders als in einer normalen Universität. Alle Dozenten gehen gerne auf unsere Fragen und Wünsche ein und versuchen diese zu lösen. Der Blockplan ist variabel und kann vom Kurssprecher nach Absprache mit den Dozenten geändert werden. In der Mittagspause bietet die Hochschule in der eigenen Mensa eine große Auswahl an Gerichten, auch vegetarischer Art. Während den Kurspausen können wir zudem in der Cafeteria leckere Kleinigkeiten erwerben.
Die Klausuren werden in den letzten Wochen der Theoriephase geschrieben. Zusätzlich fließen während der Praxisphase verfasste, wissenschaftlich fundierte Projektarbeiten in die Wertung ein. Wenn alles gut verläuft, erhalten wir am Ende des Studiums 210-ECTS-Punkte und sind zur Bachelor Prüfung zugelassen. Zum Lernen und Recherchieren bietet die Duale Hochschule die Möglichkeit, die hauseigene Bibliothek und die Universitäts-Bibliothek zu besuchen. Zusätzlich gibt es für uns kostenlose Software vom Microsoft Programm MSDNAA und freien Zugang zum Internet.“
Nach jeder Theoriephase geht es dann im Unternehmen weiter. Die Studienrichtung Wirtschaftsinformatik wendet sich sowohl an IT-Dienstleister wie Softwarehäuser, Systemhäuser und Unternehmensberatungen als auch an IT-Anwender aus Industrie, Spedition, Banken und Versicherungen. Wir haben uns für einen Managed Services Provider entschieden. Bei Claranet durchlaufen wir während der Praxisphasen verschiedene Abteilungen. Unter anderem zählen zu den Departments: Sales, Solution Architects, Provisioning, Systems, Support, Development und Marketing. Hier dürfen wir mit Hilfe unserer eigenen Notebooks und Telefone eigenständig im „Daily Business“ Aufgaben übernehmen. Nach mehreren interessanten Schulungen durften wir zum Beispiel Akquise für neue Produkte betreiben, Forecastsheets erstellen, Change Prozesse ausführen, Router rückfordern, Kündigungen schreiben und noch vieles mehr. Dabei müssen wir Telefonieren, mit Office arbeiten und werden mit einigen Datenbanken konfrontiert. Die Aufgaben sind sehr abwechslungsreich und machen viel Spaß. Das besondere an Claranet ist u.a. das sehr persönliche Arbeitsklima. Alle Kollegen gehen sehr freundlich und hilfsbereit mit uns um. Sobald wir ein Problem haben, stehen uns Kollegen sofort zur Verfügung. Als dualer Student wirst du schnell in die „Gruppe“ aufgenommen und bekommst eigenständige Aufgaben. Der typische Arbeitstag dauert acht Stunden und beruht auf Gleitzeit. Hinzu kommt noch eine halbe Stunde Mittagspause und die Fahrtzeit von Mannheim nach Frankfurt. In der Mittagspause bieten dir viele kleine „Futter“-Buden oder Discounter auf der Hanauer Landstraße die Möglichkeit, etwas zu essen.“

Christof Gliem: „In der vorlesungsfreien Zeit bietet Mannheim eine große Auswahl an Freizeitaktivitäten. Das Sportangebot ist umfangreich, da man auch als dualer Student das Angebot der Universität in Anspruch nehmen kann. Die meisten Sportarten sind sogar kostenlos.
Am Wochenende bietet die Stadt auch einiges. In der Stadt gibt es nicht nur viele Kleidungs- und Schuhgeschäfte sondern auch viele Bars und Clubs. Desweiteren finden jeden Donnerstag die beliebten Unipartys statt. Dort können wir dann ordentlich Dampf ablassen und den Studium-Stress hinter uns lassen.
Aber nicht alle begeben sich in die Partyszene von Mannheim, viele unserer Kommilitonen fahren auch übers Wochenende nach Hause. Dort unternehmen sie dann meist etwas mit ihren alten Freunden oder ihren Familien.“

Fabian Kaiser: „Als Resümee bleibt nun zu sagen, dass uns das duale Studium ein besonders vielfältiges berufliches Einsatzspektrum bietet und uns zu sehr begehrten Nachwuchskräften für alle Positionen, besonders im Vertrieb, Service und Consulting macht. Der Studiengang eröffnet uns sehr gute Aufstiegschancen in Fach- und Managementpositionen. Das Wichtigste aber ist, dass die Arbeit trotz vereinzelt positivem Stress sehr viel Spaß macht. In wenigen Tagen beginnt eine neue Theoriephase und somit das zweite Semester. Wir sind gespannt, was uns dieses zu bieten hat.“

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